ADHS oder Die Diagnose, die dein (berufliches) Leben verändert!

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„Wenn wir bedenken, daß wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.“
Mark Twain

Als ich mit 51 Jahren! erfuhr, dass ich seit meiner Kindheit an ADHS erkrankt bin, brach erst einmal – natürlich nur in meinem Kopf – die Welt zusammen. Und ich musste erst einmal – lange, sehr lange – weinen.

Vieles, ja wirklich vieles erklärte sich plötzlich. Vor allem, die unschönen Momente meines Lebens.
Scheidung, Arbeitsplatzwechsel und Menschen, die sich von mir wieder – ohne Adieu zu sagen – verabschiedeten.

Bevor ich zur Problematik der heutigen (Arbeits-) Zeit komme, „spule“ ich zurück auf Anfang.

Falls du ein jüngerer Leser bist, der vielleicht ein Kind hat mit ADHS, so weißt du, wie schwer es meine Eltern mit mir hatten. Wenn du selbst ein – noch „unentdeckter“ – ADHS´ ler bist, so sei dir gesagt: „Es gibt Hilfe für dich“.
In beiden Fällen, solltet ihr weiter lesen. Ich denke, es hilft dir als Betroffene/r als auch Eltern, vieles besser zu verstehen, dass „wir“ nichts dafür können. Wir sind, wie wir sind!

Also hier ist der Anfang:
Da ich in einer Zeit aufwuchs, in der die Erziehung eines „bösen, zappeligen, unaufmerksamen und vorlauten“ Mädchens mit Rohrstock, Teppichklopfer`s und – ohne Abendessen ins Bett -, Gang und Gäbe war, kannst du dir ja denken, wie es mir ging.
Oh, ja.
Ich war ein sehr, sehr anstrengendes Kind!!! 😈

Ich habe schon immer alles hinterfragt. ALLES.
Die Antwort es ist halt grün, weil´s grün ist, reichte nicht. Ich war mir sicher, dass es evtl. auch hell- oder dunkelgrün sein könnte. Oder es mehr ins blaugrün oder gelbgrün ging. Wie dem auch sei, ich bohrte nach und war unzufrieden, wenn ich das Gefühl hatte, da gibt’s noch mehr. Die Erwachsenen um mich herum, konnten meinen Wissensdurst niemals befriedigen. Kaum wusste ich das Eine, wollte ich das Andere erklärt bekommen. Und diese nervige Fragerei fing von vorne an. Mein Kopf bekam nie Ruhe. Ich hatte schon als Kind das Gefühl, ich würde verrückt werden, da immer irgendetwas zu denken da war.

Dies hatte zur Folge, dass ich als Störenfried und Querulant eingestuft wurde.

Des Weiteren hatte ich einen unbändigen Bewegungsdrang. Stillsitzen war eine einzige Strafe für mich. Ich war ständig „auf Achse“. Auch hier konnten meine Eltern, nichts für mich tun. Geld für einen Sportverein hatten sie nicht. Also entlud sich mein Temperament auf andere Weise. Da wir in meiner Jugend noch „auf der Straße“ spielten, war nichts vor mir sicher.

Dies hatte zur Folge, dass ich, die ich die tollsten Sachen anstellte.
Meine Eltern waren „not amused“. Oh Ladys, damit könnte ich alleine einen Blog füllen. 😳

Das nächste Problem war, dass ich sehr schnell abgelenkt war.
Auf nichts konnte ich mich lange und ausgiebig konzentrieren. Wenn ich Hausaufgaben machte, genügt nur ein Zwitschern, und schon war ich im Traumland. Zuhören? Oh, mein Gott. Zuhören ging gar nicht!

Dies hatte zur Folge, dass ich:
– nicht richtig lernte. Und so auch meine Zeugnisse aussahen
– nicht richtig zuhörte. Und so als gleichgültig und desinteressiert da stand
– nie richtig im Hier war. Und so als unaufmerksam galt

Später kam hinzu, dass ich alles, was ich anfing, mit einer, fast krankhaften Sucht machte.
Halbe Sache gab es nicht. Entweder ich machte es richtig, oder gar nicht. Ich holte mir aus der Bücherei (es gab noch kein Internet) die notwendigen Bücher und stillte so meinen Wissensdurst.

Dies hatte zur Folge, dass ich als Besserwisserin und Klugsch…. tituliert wurde

Ganz schlimm aber war, dass ich überall meinen „Senf“ dazu geben musste.
Sobald mir etwas in den Sinn kam, war es auch schon ausgesprochen. Das ich damit jemand beleidigen oder sonst wie angriff, war mir nie bewusst.

Dies hatte zur Folge, dass ich als vorlaut und frech galt.

Nun das beschreibt, in knappen Worten, meine Kindheit und Jugend.
Je älter ich wurde, desto mehr perfektionierte ich das Ganze.
Und das meine ich sowohl positiv als auch negativ.

Wie ist es nun heute: Siehe oben!! Kein Witz!

Bis zu meinen Nervenzusammenbruch Ende 2011 war ich genauso wie beschrieben. Nur noch schlimmer!

Meine Freunde, und mir nahestehende Menschen, kamen mit mir klar. Mehr oder Weniger!

Sie akzeptierten mich so wie ich war. Mehr oder Weniger!
ABER – Keiner von ihnen hat jemals von mir verlangt, dass ich mich ändern soll. Sie haben akzeptiert, dass ich die war, die ich war. Und, ich wurde und werde von diesen Menschen geliebt.

In der Arbeitswelt sah das jedoch ganz anders aus.
Für manchen Kollegen war ich „eine ernstzunehmende Gefahr“!

Wieso?
Deshalb:
– Mein Tag hat 72 Stunden 😀
– Ich meinen Job tatsächlich liebe 😉
– Was ich anfange, höre ich erst auf, wenn`s 100% ig ist 😛
– Geht nicht, geht nur solange nicht – bis es doch geht
– Ich eine extreme Selbstdisziplin habe, die ich von anderen ebenfalls einfordere  👿
 – Sobald mir etwas in den Kopf kommt, ich es auch ausspreche 🙄

Dies hatte zur Folgen, dass ich aus meinem Team ausgeschlossen wurde – Mehr oder Weniger  😥

Da ich aber unbedingt dazu gehören wollte, fing ich an – fast zwanghaft – mich immer mehr „zu ändern“.
Wollte im Team anerkannt werden. Wollte ein Teamplayer sein.
„Sie mussten doch irgendwann erkennen, dass ich ganz in Ordnung bin, oder?“
Doch egal was ich auch tat. Es trat immer der Umkehrschluss ein. (Ich wusste ja nicht, dass das was ich tat, falsch war. Für mich fühlte es sich richtig an.)
Aber ich durfte immer weniger „mitspielen“.

Meine ganze Energie, konnte ich nicht mehr ausleben. Durfte nicht zeigen, was ich wirklich kann.
Würde ich doch anderen Schaden zufügen, wenn ich die bin, die ich bin.

Also, was sollte ich den tun, außer den Rückzug antreten, da ich sonst, wie früher als Kind, Prügel beziehen würde.
Nur eben nicht körperlich!

Dadurch, dass ich mich immer mehr zurücknahm, wurde ich krank.
Depressiv eben.
Im heutigen Fachjargon heißt es, wenn es im stressigen Beruf auftritt,: Burnout.
Burnout ist aber nichts anderes als sehr schwere Depressionen. Also sollte man mit diesem Wort deshalb nicht zu leichtfertig umgehen. Menschen, welche unter dieser Erkrankung leiden, sind sehr arm dran. Mache schaffen es nicht mehr zurück!!


Richtig gelesen!
 Burnout bekommt man nicht nur, weil man hoffungslos überfordert ist. Nein, nein.
 Burnout bekommst du auch – wenn du nicht die sein darfst, die du bist.
Weil, letztendlich hast du dadurch ja Stress. Dieser widerum macht dich anfällig. Plötzlich ist dir alles zuviel.
Und du kommst mit den kleinsten Kleinigkeiten nicht mehr klar. Dadurch gewinnt man den Eindruck, dass man hoffnungslos überfordert ist. Ist man ja auch. Du bist zerbrochen, an der Tatsache, dass du dich ständig verstellen musst.

Wie ich so „da hing“, sagte mein Mann: „Ich glaube nicht, das du Burnout hast, ich glaube du hast ADHS“.
„Ich hab was? Ich glaube du spinnst?“ antwortete ich.
Dennoch ließ mich der Gedanke nicht mehr los.
ADHS! Ich habe ADHS?
Dank Internet fand ich Aufklärung: Ich habe ADHS bei Erwachsenen! -Hier findest du einige gute Bücher und Link-Tipps-
Ich fasste den Entschluss, mir helfen zu lassen. Was auch immer das für mich bedeutete.
Ich bekam wieder Hoffnung.
Hoffnung, dass ich wieder „im Team mitspielen“ darf!

Dank meines guten Therapeuten, einigen Verhaltensregeln und entsprechenden Medikamenten, habe ich heute ein anderes Lebensgefühl.
Ich mache immer noch, was ich oben beschrieben habe.
Aber ich bin nicht mehr so impulsiv. Sage nicht sofort was ich denke.
Denke länger darüber nach, bevor ich handle und spreche. Schreie auch nicht mehr gleich hier, wenn es etwas zu verteilen gibt.

Viele Menschen in meinem Leben wissen nicht, dass ich ADHS habe. So soll es auch bleiben.
Einigen habe ich es – auf Anraten meines Therapeuten – erzählt. Zum Beispiel meinem nahen Umfeld.
Das war auch gut so. Mehr oder weniger!

Und ich habe etwas sehr wichtiges in meinem Leben gelernt!

Du bist nie zu alt, um sein Leben zu ändern
Du bist nie zu alt, um glücklich zu sein
Du bist nie zu alt, um ein Team zu wechseln
Du bist nie zu alt, zu erkennen, da du dir deine Freunde selbst aussuchen kannst

UND

Ich spiele nicht mehr mit, in einem Team,
wenn ich nicht die sein darf, die ich wirklich bin!

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